Am 29. Januar wurde es voll in der Landesgeschäftsstelle Niedersachsen. Zahlreiche ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren gekommen, um Dr. Rainer Bendick, Bildungsreferent des Bezirksverbandes Braunschweig, in den Ruhestand zu verabschieden. Der Historiker und Lehrer war seit 2018 für den Volksbund tätig.
In zahlreichen Projekten mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Schulformen war es ihm stets ein Anliegen, aus der Beschäftigung mit den beiden Weltkriegen Lehren zu ziehen. Als überzeugter Europäer betonte er immer wieder den Wert des Dialogs innerhalb der Europäischen Union und schuf somit auch einen Bezug zur Gegenwart. Ihm war es wichtig, junge Menschen dabei zu unterstützen, Fragestellungen zu entwickeln und sie in die Lage zu versetzen, diese zu bearbeiten und zu beantworten.
Er initiierte und betreute äußerst professionell insgesamt 61 Projekte zu Geschichts- und Erinnerungstafeln im Bereich des Bezirksverbandes Braunschweig, die in den meisten Fällen unter starker Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern entstanden. Aber auch in Zusammenarbeit mit lokalen Geschichtsvereinen, Gemeinden und anderen Akteuren der Erinnerungskultur.
Zu den Tafeln gehörten jeweils auch sehr beeindruckende Einweihungsveranstaltungen, an denen die Bevölkerung und Personen des öffentlichen Lebens beteiligt waren. In einigen Fällen reisten auch Angehörige an. So auch im April 2025: Während der Recherchen konnte die Identität von drei KZ-Opfern auf dem Friedhof in Münchehof geklärt werden. Einen Beitrag dazu finden Sie hier. Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen sowie Vorsitzender des Landesverbandes, nahm ebenfalls mehrfach an den Einweihungsveranstaltungen teil. Bei der Verabschiedung sagte er: „Wer Rainer Bendick bei dieser Gelegenheit im Umgang mit den Jugendlichen, aber auch mit Lehrkräften, Kreisvorsitzenden, aber auch Angehörigen erlebt hat, hat einen Eindruck davon gewonnen, mit welcher Leidenschaft und Überzeugung er diese Projekte und ihren tieferen Sinn verfolgt hat.“
Neben Studienfahrten mit Schülerinnen und Schülern entwickelte Bendick auch neue Formate. Ein Beispiel ist das sogenannte „Northeimer Modell“, bei dem er mit Auszubildenden im Rahmen von mehrtägigen Fahrten Themen der historisch-politischen Bildung bearbeitete. Über diese Reisen von Auszubildenden des Landkreises Northeim und der Stadt Salzgitter hatten wir bereits ausführlich berichtet.
Erst vor kurzem wurde auf der Homepage des Volksbund-Bundesverbandes über einen weiteren Erfolg Bendicks berichtet: Auf seine Initiative hin hat die Eichendorffschule Wolfsburg die Patenschaft für die Kriegsgräberstätte in Glencree (Irland) übernommen. Dies ist das erste Mal, dass eine solche Patenschaft für einen im Ausland befindlichen Friedhof übernommen wurde.
Darüber hinaus hat sich Bendick auf Landes- und Bundesebene eingebracht. Beispielsweise war er an der Erarbeitung pädagogischer Materialien zu den Bildungspaketen des Volksbundes sowie an den Vorbereitungen fachdidaktischer Tagungen beteiligt.
Das zentrale Thema Thema für Bendick. Er wies immer wieder auf den Mehrwert der Bildungsarbeit des Volksbundes hin. Ihm war es ein Anliegen, Kriegsgräber als Lern- und Gedenkorte zu verstehen. Diese Gräber „lesbar“ zu machen und zu kontextualisieren – zum Beispiel mithilfe von Geschichts- und Erinnerungstafeln – war ihm wichtig. Einen ausführlichen Artikel von ihm zu diesem Thema mit dem Titel „Wie wirkt der Volksbund? Der – oft verkannte – Mehrwert der Bildungsarbeit“ finden Sie hier.
Apropos Artikel: Bendick weiß auch um den „Mehrwert“ der Öffentlichkeitsarbeit. Weit über seine Projektbeschreibungen hinaus hat er zahlreiche Beiträge für unsere Homepage sowie für unsere Social Media-Accounts (Facebook und Instagram) geliefert. Wer mag kann gerne hier stöbern.
Rainer Bendick: Wir sind sicher, du wirst dich nicht langweilen. Es ist bekannt, dass du deine nächsten Projekte schon vor Augen hast. Dafür wünschen wir dir alles Gute im wohlverdienten Ruhestand. Vielen Dank für die vielen Jahre der kollegialen Zusammenarbeit. Der eine oder andere würde sich sicher freuen, mal von dir zu hören.