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Meldungen aus dem Landesverband Niedersachsen
Meldungen aus dem Landesverband Niedersachsen

„Da wird einem die Bedeutung von Frieden erst richtig klar“

Auszubildende der Stadtentwässerung auf Bildungsreise

Ein juner Mann steht neben einem Monitor und redet zu sitzenden Zuhörern

Luca Vista moderiert vor geladenen Gästen durch die Präsentation LHH

Auszubildende der Stadtentwässerung Hannover waren unterwegs in Deutschland, Frankreich und Belgien. Unter dem Motto „Europa erleben, Geschichte verstehen, Zukunft gestalten“ lernten sie die Bedeutung des Friedens und der gemeinsamen Vergangenheit auf ganz persönlichem Weg kennen.

Verdun, Aachen und Brüssel waren drei der Stationen beim ersten „Workcamp“ für Auszubildende der Stadtentwässerung. Hinter diesem Begriff steckt eine Bildungsreise, die das Europa der weit entfernten und der jüngeren Vergangenheit und das Europa der Gegenwart behandelt. 

Für eine Präsentation dieser ersten Bildungsreise waren Oberbürgermeister Belit Onay, Personaldezernent Lars Baumann und der Gesamtpersonalratsvorsitzende Karsten Schackla bei den Azubis der Stadtentwässerung in Herrenhausen zu Gast. Thomas Schwarz, kaufmännischer Leiter der Stadtentwässerung, hatte zu der Vorstellung eingeladen.

Geschichte verstehen – Zukunft gestalten

Teil der Reise war ein Besuch in Bezonvaux (Region Grand Est, ehem. Lothringen, in der Nähe von Belgien), einem sogenannten „zerstörten Dorf (französisch: village détruit)“, das nach der Zerstörung im Ersten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut wurde und heute als Erinnerungs- und Mahnort dient. Eine weitere Station in Frankreich war das Ossuaire de Douaumont, die Gedenkstätte zur „Schlacht um Verdun“ des Jahres 1916. Hier starben beim Kampf um wenige Meter Erde bis zu eine Million Menschen. Die vielen weißen Kreuze, die an die getöteten Soldaten erinnern, sind als Teil dieser Gedenkstätte ein eindrückliches Zeichen für die Sinnlosigkeit dieses Krieges.

„Viele von ihnen waren so alt wie wir oder sogar noch jünger“, erzählt Luca Vista, der durch die Präsentation moderiert. „Das macht einen schon sehr nachdenklich.“ Im Vorfeld der Reise hatte die Gruppe gemeinsam den Film „Im Westen Nichts Neues“ geschaut, um einen ungefähren Eindruck dafür zu bekommen, wie der Krieg ausgesehen hat. Zur Einordnung vor Ort und als pädagogische Begleitung war außerdem Henrik Berthold Teil der Reise, er ist Bezirksgeschäftsführer beim Volksbund Bezirksverband Hannover. Für ihn sind solche Reisen demokratiefördernd. „Der Besuch und die Auseinandersetzung mit Kriegsgräbern und Gedenkorten helfen zu vermitteln, dass unsere Werte keinesfalls beliebig sind. Sie sind grundlegend für den Weg europäischer Staaten, hinaus aus der Spirale der Gewalt, hin zu einem selbstbestimmten Leben in Frieden und Freiheit“, erklärt er.

Wie der Krieg die Psyche verändert

Neben der Exkursion ins Historische erfuhren die Auszubildenden auch, wie der Krieg die Psyche von Menschen verändert – und auch damals schon verändert hat. Charlotte Jarosch von Schweder, Rettungssanitäterin bei den Maltesern und Geschäftsführerin des Kolumbariums Hl. Herz Jesu Hannover, betreute den Schwerpunkt „Psychosoziale Notfallversorgung“ während der Reise. „Am Beispiel der sogenannten ‚Kriegszitterer‘ betrachteten wir, wie Soldaten damals unter den psychischen Folgen des Krieges litten und wie wenig Verständnis für diese Belastungen oftmals vorhanden war“, erzählt sie.

Mit Blick auf die Reise sagt sie weiter: „Es war für mich eine gelungene Mischung – tiefgründig, herausfordernd und voller Hoffnung. Ich wünsche mir sehr, dass die Stadtentwässerung diesen Weg weitergeht.“

Das Fundament Europas in Vergangenheit und Gegenwart

Aachen und Brüssel standen als zentrale Orte der europäischen Geschichte ebenfalls auf der Tagesordnung des „Workcamp“. Der Besuch einer Sitzung des Europäischen Parlaments als Sitz der supranationalen (= überstaatlichen) Zusammenarbeit und der Besuch des Aachener Doms als zentraler Punkt des früh-mittelalterlichen Europas spannten den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.