„Das Kostbarste, das wir haben, ist der Frieden“
„Das Kostbarste, das wir haben, ist der Frieden“: Mit eindringlichen Worten eröffnete Landrat Kai Seefried das Volksbund-Forum 2026 im Kreishaus. Der Chef der Kreisverwaltung ist Kreisvorsitzender des Volksbundes. Seine Botschaft: „Wir alle müssen jeden Tag aufs Neue für den Frieden eintreten.“
Seefried betonte: „Wir leben seit dem Zweiten Weltkrieg in der längsten Friedenszeit in der deutschen Geschichte.“ Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie seien in Deutschland etabliert und würden doch täglich angegriffen. „Wir alle müssen uns das immer wieder bewusst machen und uns ganz dem Ziel verschreiben, unseren Rechtsstaat zu erhalten“, sagte der Landrat. Es lohne sich, dafür einzutreten – erst recht in einer Zeit, in der immer weniger Zeitzeugen von den Gräueln des Zweiten Weltkrieges berichten könnten.
Der Volksbund betreut 832 Gedenkstätten in 46 Ländern – insgesamt 2,7 Millionen Kriegsgräber. „Orte, an denen Menschen Erinnerung finden“, beschrieb es Seefried. Angehörige könnten hier Gewissheit über das Schicksal ihrer vermissten Familienmitglieder erhalten. Die Kriegsgräberstätten seien über Generationen ein wichtiger Ankerpunkt. „Und täglich entstehen derzeit neue Gräber“, hob der Landrat am 1510. Tag des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hervor.
Berührende Vorträge prägten das Programm des diesjährigen Volksbund-Forums. Bezirksgeschäftsführer Jan Effinger referierte über die Kapitulation auf dem Timeloberg bei Lüneburg und präsentierte „Erinnerungen an einen vergessenen Ort“. Am 4. Mai 1945 besiegelte die Wehrmacht am Stützpunkt der Briten bei Wendisch Evern in der Lüneburger Heide die Teilkapitulation der deutschen Truppen in Norddeutschland, Dänemark und den Niederlanden. Damit sei in der Region das Ende des Zweiten Weltkrieges eingeleitet worden, wie Effinger schilderte.
Der Bildungsreferent des Bezirksverbandes Lüneburg/Stade, Karl-Friedrich Boese, berichtete von den umfangreichen Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Mit Projekten im Schulunterricht, der Gestaltung von Gedenk- und Erinnerungstafeln sowie von Namensziegeln bekämen die Opfer der Weltkriege ihre Namen und ihre Würde zurück. Schülerfirmen könnten die Patenschaften für Kriegsgräberstätten übernehmen und die Anlagen in Schuss halten, schlug Boese vor. Die Kommunen könnten im Gegenzug einen Teil der vom Bund gezahlten Pflegepauschale zur Verfügung stellen.
Lehrerin Carola Bardenhagen, die mit ihren Schülerinnen und Schülern der Stader Jobelmannschule (BBS I) die jährliche zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Garnisonsfriedhof in Stade ausrichtet, machte deutlich, wie eindrucksvoll Besuche in Gedenkstätten wie dem Kriegsgefangenenlager in Sandbostel bei Bremervörde seien. Die Exkursion habe die Jugendlichen nachhaltig geprägt. „Die Arbeit für den Frieden gewinnt eine neue Dringlichkeit“, betonte Bardenhagen vor dem Hintergrund der angespannten gesellschaftlichen Stimmung. Es gehe um mehr als die Erinnerung: „Wir unternehmen konkrete Schritte, um Empathie, Urteilsvermögen und Zusammenhalt zu stärken.“ Zivilcourage und solidarisches Handeln würden gefördert, künftiger Gewalt präventiv begegnet.
Seefried ehrte Schülerinnen und Schüler der Jobelmannschule Stade für ihr Engagement bei der Ausrichtung der Gedenkfeier zum Volkstrauertag sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten des Vincent-Lübeck-Gymnasiums Stade, der Halepaghenschule Buxtehude sowie des Aue-Geest-Gymnasiums Harsefeld für ihre Unterstützung bei den Haus- und Straßensammlungen des Volksbundes.