Meldungen aus dem Landesverband Niedersachsen
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Erinnerung neu gedacht – das Modehaus Silomon in Aurich geht kreative Wege

Mit dem Verkauf einer Postkarte macht es auf ein bewegendes Familienschicksal des Zweiten Weltkrieges aufmerksam

Rechts im Vordergrund eine Postkarte mit einem gemalten Motiv. Im Hintergrund Kleidung

Volksbund

Das familiengeführte Modehaus Silomon in Aurich gehört zu den ältesten und etabliertesten Modehäusern der Region. In mittlerweile sechster Generation führen Sven und Heida Haltermann ein Unternehmen, das neben Mode auch den Menschen und die Begegnung vor Ort in den Mittelpunkt stellt. Dabei setzt man auf die Verbindung von Tradition und Innovation. Eine Aktion, die zur Weihnachtszeit 2024 ins Leben gerufen wurde, ist ein nachhaltiger Beleg dieser Philosophie. 

Wenn ein Familienunternehmen seit über 180 Jahren existiert, dann stellen die Weltkriege eine Zäsur dar, die nicht aus der Unternehmenshistorie wegzudenken sind. Heida Haltermann hat diese einschneidende Zeit eindrücklich in Erinnerung gerufen: Margarete Cramer, Haltermanns Urgroßmutter, wendet sich im Dezember 1942 an ihren Sohn Wilhelm, der zu diesem Zeitpunkt fernab der Heimat Weihnachten verbringen muss. Auf einer Postkarte verweist sie auf Leckereien, die sie ihm mitgeschickt hat – mit der Bitte, diese mit den Kameraden zu teilen. Auch erwähnt sie die weihnachtliche Hoffnung auf Frieden. Wilhelm Cramer stirbt kurz vor Kriegsende, am 11. März 1945 in Pellingen, die Karte findet ihren Weg nach Aurich zurück.

Seit vergangenem Jahr ist sie im Nachdruck bei Silomon und im Café Kaffeefleck erhältlich. 

„Ihre naive Malerei verbildlicht die so wunderbare Gemütlichkeit unserer ostfriesischen Heimat bis heute - und bis heute gelten auch die Haltung zum miteinander und die Hoffnung auf Frieden.“

Heida Haltermann über die Postkarte ihrer Urgroßmutter

Dankenswerterweise hat Familie Haltermann bei dieser Aktion an den Volksbund gedacht: Der Erlös des Verkaufs kommt der Bildungsarbeit zugute. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Ulricianum sollen bereits im kommenden Jahr Projekte zu den Kriegsgräbern auf dem neben der Schule liegenden Friedhof beginnen. Dieser einzigartigen Aktion des Modehauses Silomon ist es zu verdanken, dass die Erinnerung vor Ort erhalten bleibt und junge Generationen die Möglichkeit bekommen, sich mit den Kriegsschicksalen zu beschäftigen und ein Zeichen für Frieden und Versöhnung zu setzen. 

 

 

Wilhelm Cramer liegt heute auf der Kriegsgräberstätte Kastel in Rheinland-Pfalz begraben.