Gedenken in die Zukunft führen
118 Kriegstote haben auf der Kriegsgräberstätte im Neukloster Forst ihre letzte Ruhe gefunden. Abiturientinnen und Abiturienten der Buxtehuder Halephaghen-Schule haben sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit den Biografien der Kriegsopfer befasst. Auf Basis ihrer Recherchen ließ der Volksbund eine Geschichts- und Erinnerungstafel aufstellen, die jetzt feierlich enthüllt wurde.
„Wir wollen das Gedenken, die Erinnerung und die Mahnung, in die Zukunft führen“, sagte Landrat Kai Seefried bei der Feierstunde anlässlich der Enthüllung der Erinnerungstafel. Er ist qua Amt Kreisvorsitzender des Volksbundes. „Das ist eine Aufgabe, die auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unendlich wichtig ist“. Geschichte bedeute Verantwortung. Die Abiturientinnen und Abiturienten der Halepaghen-Schule kämen dieser Verantwortung auf besonders vorbildliche Weise nach.
Der Landrat erinnerte daran, dass zur Einweihung der von 1955 bis 1957 errichteten Kriegsgräberstätte 1500 Menschen in den Neukloster Forst kamen. 200 von ihnen waren direkte Angehörige der hier bestatteten Kriegstoten. In einer Zeit, in der kaum noch Zeitzeugen von den Gräueln des Krieges berichten können, sei es an den jungen Menschen, die Erinnerungen wachzuhalten. „Es lohnt sich, junge Menschen dafür zu gewinnen“, sagte Seefried.
„Sie schaffen etwas, das bleibt“, sagte Lehrer Duncan Kröger über die Schülerinnen und Schüler, die er bei diesem Projekt begleitet hat. „Sie nehmen etwas mit für ihre Persönlichkeit.“ Das sei aktive Arbeit für den Frieden, waren sich Kröger und Seefried einig. Der Schüler Sam Follmann berichtete von aufwendigen Recherchen in Archiven, von Exkursionen und von der Unterstützung durch das Team der Gedenkstätte Lager Sandbostel, durch die Asper Heimatforscherin Debbie Bülau und ihr Team. „Wir, die Teilnehmenden des Projekts, haben nach Namen recherchiert und dabei Geschichten entdeckt“, so Follmann. „Vor allem aber haben wir etwas Nachhaltiges geschaffen: Erinnerungen. In einer Zeit, in der Zeitzeugen immer weniger werden, liegt es an uns, die Erinnerungen wachzuhalten. […] Deshalb ist dieser Ort nicht nur ein Ort der Vergangenheit, sondern einer der Gegenwart und vor allem einer der Zukunft.“ Die ganze Rede von Follmann finden Sie hier.
„Diese Gräber erzählen keine Heldengeschichten. Sie erzählen von abgebrochenen Lebenswegen und von Schicksalen, die in Schützengräben endeten“, die ehemalige Schulpastorin der Halepaghen-Schule, Ellen Kasper. „Die Schülerinnen und Schüler haben hingesehen – und sie haben sich mit Fragen beschäftigt, die ihnen ohne dieses Projekt wahrscheinlich nicht gestellt worden wären.“ Niedersachsenweit gibt es mehr als 200 Geschichts- und Erinnerungstafeln des Volksbundes.
Zu Beginn seiner Rede zitierte Karl-Friedrich Boese, Bildungsreferent des Volksbundes im Bezirksverband Lüneburg/Stade, die niedersächsische Landtagspräsidentin Hannah Naber: „Es bleibt die Vorstellung des nicht zu Ende gelebten Lebens. Die Vorstellung von erlittenem Leid, von gewaltsamem Tod, der alle Hoffnungen auf Zukunft ein Ende setzte.“ Boese schuf hier den Bezug zu den auf der Kriegsgräberstätte Beigesetzten: „Diese Worte […] gelten für alle 118 Kriegstoten, die hier in Neukloster ihre letzte Ruhe gefunden haben, insbesondere für die zwölf Minderjährigen. Stephan Prüstel, der Jüngste von ihnen, war erst 16 Jahre alt, als er sein Leben verlor.“ Die ganze Rede finden Sie hier.
Die Abiturientinnen und Abiturienten setzen indes auf weitere Kooperationen und möchten derlei außerschulische Recherchen in den Statuten des Gymnasiums verankern. „Geschichte darf kein einmaliges Projekt“, sagte Follmann. Die Stiftung für Stifter der Sparkasse Harburg-Buxtehude finanzierte die Erinnerungstafel. Sparkassenvorstand Matthiaß Weiß sagte, dass die Jugendlichen die Stiftungsgremien mit ihrem Projekt sofort überzeugt hätten.
Pastorin Eva Gotthold schloss die Feierstunde mit einer Andacht.