Geschichts- und Erinnerungstafeln in Meppen eingeweiht
Auf dem Friedhof Markstiege entsteht derzeit ein besonderer Ort des Erinnerns. In einem schulübergreifenden Projekt haben sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit den polnischen Gräbern in Meppen auseinandergesetzt. Ziel ist es, den oft anonym gebliebenen Opfern von Krieg, Zwangsarbeit und Verfolgung ihre Namen und Geschichten zurückzugeben – und diese dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Dabei recherchieren sie Biografien, Todesumstände und historische Hintergründe polnischer Kriegsopfer aus der Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegsjahre.
Zur feierlichen Einweihung der neuen Erinnerungstafeln begrüßten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie der Kooperationspartner Inselmühle Haren (Ems) zahlreiche Gäste auf dem Friedhof Markstiege. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Erinnerns und der deutsch-polnischen Verbundenheit.
Ein Gräberfeld mit besonderer Geschichte
„Auf dieser Grabstätte liegen Soldaten der ersten polnischen Panzerdivision, die mitverantwortlich für die Befreiung des Emslandes und für die Befreiung des Lagers Oberlangen waren. Ebenso legen hier befreite KZ-Gefangene, unter anderem aus dem Lager Oberlangen, die teilweise nach dem Krieg in Maczków lebten. Viele dieser Menschen sind nicht während des Krieges, sondern in der Nachkriegszeit an Folgen der Misshandlung und Leids, das sie während des Krieges erfuhren, gestorben.“
Schüler des Windthorst Gymnasiums Meppen.
Im Zuge der Recherchen wurde deutlich, wie jung viele der Verstorbenen waren. Das jüngste bekannte Opfer war ein sieben Tage altes Mädchen namens Zochna Chechlinska. Viele Menschen starben erst nach Kriegsende – an den Folgen von Haft, Zwangsarbeit, Deportation oder aufgrund der schlechten hygienischen und medizinischen Versorgung. Da es in Meppen ein polnisches Krankenhaus gab, verstarben zahlreiche Betroffene dort.
Persönliche Schicksale im Mittelpunkt
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist das Schicksal von Katarzyna Deskur, das auf den Erinnerungstafeln vorgestellt wird. Mit Unterstützung des Volksbundes gelang es, einen Angehörigen der Familie ausfindig zu machen. In einem Interview berichtete er bewegt über das Leben seiner Großmutter. Katarzyna Deskur wurde 1942 verhaftet und über Lublin in die Konzentrationslager Majdanek und Ravensbrück deportiert. Nach ihrer Befreiung durch das Schwedische Rote Kreuz im April 1945 kam sie zu ihrem Mann, der als Soldat der 1. Polnischen Panzerdivision in Quakenbrück stationiert war. Aufgrund der erlittenen Misshandlungen war sie mehrfach im polnischen Krankenhaus in Meppen in Behandlung, wo sie schließlich verstarb.
Zusammenarbeit von Bildung und Handwerk
Ein zentrales Element des Projekts ist die enge Kooperation mit der BBS Meppen. Schüler der Berufseinstiegsklasse Metall/Holz fertigten die Tragekonstruktionen für die Erinnerungstafeln in Handarbeit an. Anschließend übernahmen angehende Baufachkräfte die Fundament- und Montagearbeiten auf dem Friedhof. So verbindet das Projekt historische Bildungsarbeit mit handwerklicher Ausbildung und praktischer Verantwortung. Weitere Informationen zum praktischen Teil finden Sie hier.
Erinnerung als Auftrag für die Zukunft
Im Rahmen der Tafeleinweihung fand auch eine Kranzniederlegung am polnischen Gräberfeld statt. Viele polnische Gäste erwiesen den Verstorbenen die letzte Ehre, indem sie Blumen niederlegten. Auch die Schülerinnen und Schüler des Windthorst-Gymnasiums beteiligten sich aktiv an dem Gedenken und setzten damit ein sichtbares Zeichen des Respekts und der Verantwortung gegenüber der Geschichte.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie junge Menschen aktiv Verantwortung für Geschichte übernehmen können. Die neuen Erinnerungstafeln leisten einen wichtigen Beitrag zur lokalen und europäischen Erinnerungskultur – und laden dazu ein, innezuhalten, zu lesen und die Schicksale der polnischen Kriegsopfer nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
„Wir sind uns bewusst, dass wir heute Gäste auf diesem Friedhof sind. Dieser Ort ist ein Ort der Trauer als auch der Erinnerung. Wir sind dankbar, dass wir einen Beitrag zur Erhaltung dieser Erinnerung leisten durften.“
Schüler des Windthorst Gymnasiums in Meppen.