Meldungen aus dem Landesverband

St-Georgs-Friedhof in Bad Gandersheim: Einweihung einer Geschichts-und Erinnerungstafel auf dem Gräberfeld Erster Weltkrieg

Abend-Vortrag mit Prof. Dr. Gerd Krumeich im Forum des Roswitha Gymansiums

Landrätin Astrid Klinklert-Kittel hat mit Schülerinnen und Schülern des Roswitha-Gymnasiums die Geschichts- und Erinnerungstafel enthüllt

Schülerinnen und Schüler des Roswitha-Gymnasiums haben eine Geschichts- und Erinnerungstafel für das Gräberfeld Erster Weltkrieg auf dem St.-Georgs-Friedhof erarbeitet. Sie wurde gestern, am 30. September, eingeweiht. Aus diesem Anlass sprachen vor etwa 50 Gästen Landrätin Astrid Klinkert-Kittel als Kreisvorsitzendes des Volksbundes, Bürgermeisterin Franziska Schwarz, Volksbund-Bezirksvorsitzender Walter Johannes Herrmann und der Schulleiter des Roswitha-Gymnasiums Kilian Müller. Er betonte die Bedeutung von Projektarbeit. Sie eröffne den Schülerinnen und Schülern Erfahrungs- und Handlungsräume, die über die Möglichkeiten des normalen Unterrichts weit hinausgehe.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel danke dem Engagement der Schüler und Schülerinnen und der Stadt Bad Gandersheim für die Unterstützung des Projekts. Die Geschichts- und Erinnerungstafel des Roswitha-Gymnasiums ist die erste Tafel dieser Art in Bad Gandersheim.

Der Erste Weltkrieg liegt mehr als 100 Jahre zurück. Der Tod der Soldaten erscheint uns heute sinnlos. Die Geschichts- und Erinnerungstafel zeigt, wie die Generation unserer Urgroßeltern das ganz anders sah. Viele Zeitgenossen betrachteten den Militärdienst als Pflicht, um das bedroht geglaubte Vaterland zu verteidigen – auch der Unteroffizier Gustav Bechmann war davon überzeigt. Er starb elend im Lazarett in Colmar. Sein Leichnam wurde nach Bad Gandersheim überführt. In der Todesanzeige lesen wir:
Du zogst hinaus ins Feindesland,
Fürs deutsche Recht zu streiten;
Du musstest dort fürs Vaterland
Den Heldentod erleiden.

Wir müssen diese Formulierung ernst nehmen: der Erste Weltkrieg wurde als ein Verteidigungskampf verstanden, selbst in Anbetracht des Todes der Soldaten. Allein – sie waren nicht nur Soldaten, sondern vor allem geliebte Ehemänner, Väter und Söhne. Und so schließt die Todesanzeige mit den Worten:
Drum schreckte uns die Trauerkunde
Von deinem Tod so sehr
Dem Herzen schlug dies eine Wunde,
die blutet fort und heilt nicht mehr

Im Ersten Weltkrieg starben bis 1918 mehr als 2 Millionen deutsche Soldaten und jeder von ihnen hatte Angehörige – Eltern, eine Ehefrau, Kinder –, die so empfanden wie Gustav Bechmanns Witwe:
Dem Herz schlug dies eine Wunde,
die blutet fort und heilt nicht mehr

Und das galt auch für die Angehörigen der 1,3 Millionen gefallen französischen Soldaten, der 750.000 gefallenen britischen Soldaten, der 460.000 gefallenen italienischen Soldaten – insgesamt waren mehr als 15 Staaten an den Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs beteiligt.

1918 herrschten überall in Europa Tod und Trauer. Der kleine St.-Georgs-Friedhof in Bad Gandersheim spiegelt die Geschichte von Krieg und Gewalt, die die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmten. Neben den 13 Gräbern aus dem Ersten Weltkrieg liegen 59 Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg. Als Nachgeborene, die nichts anderes kennen als Frieden, ist es uns unverständlich, warum es der deutschen Gesellschaft nach 1918, nach einem mörderischen Weltkrieg, nicht gelang, sich dauerhaft dem Frieden zu verpflichten.

Auf diese Frage gab Prof. Dr. Gerd Krumeich mit dem Abendvortrag „Die unbewältigte Niederlage und der große Hass: Deutschland 1918 – 1933“ im Forum des Roswitha-Gymnasiums eine Antwort. Er zeigte, wie es im Gegensatz zur Dritten Französischen Republik der Weimarer Republik nicht gelang, ein Totengedenken zu etablieren, das alle gesellschaftlichen Gruppen integrierte. Wie in einem Stellungskrieg standen sich die verschiedenen Gedenkkulturen der Rechten und der Linken, der Feinde der Republik und der Anhänger der Republik, einander gegenüber, bis schließlich die Nationalsozialisten mit der Würdigung des Opfers der Soldaten propagandistische Erfolge feiern konnten.

In diesem Schuljahr setzt das Roswitha-Gymnasium die Arbeit auf dem St.-Georgs-Friedhof fort und wird eine Geschichts- und Erinnerungstafel für das Gräberfeld zum Zweiten Weltkrieg erarbeiten.

Text: Dr. Rainer Bendick, Bildungsreferent
Fotos: Manfred Kielhorn

 

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