Stilles Gedenken am Timeloberg
Am 4. Mai 1945 unterzeichneten Feldmarschall Montgomery und Generaladmiral Hans Georg von Friedeburg auf dem Timeloberg bei Wendisch-Evern eine Teilkapitulation der deutschen Wehrmacht. Dies bedeutete das faktische Ende aller Kampfhandlungen in Norddeutschland, Dänemark, Norwegen und den nördlichen Niederlanden – dem zu diesem Zeitpunkt noch weitaus größten Teil des von deutschen Truppen gehaltenen Territoriums. Damit wurde das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa eingeleitet.
Auch in diesem Jahr fand am 4. Mai eine Gedenkveranstaltung statt, die an dieses Ereignis erinnerte. Clemens Leder, der Sprecher der Projektgruppe Timeloberg und ehemalige Bürgermeister von Wendisch Evern, hielt während der Veranstaltung folgenden Redebeitrag:
„Verehrte Bürgerinnen und Bürger, liebe Mitglieder der Projektgruppe Timeloberg,
vor 81 Jahren, nahezu auf die Stunde genau, begann nur wenige Meter von diesem Ort entfernt mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch die deutsche Administration der Anfang vom Ende des Zweiten Weltkrieges, und somit das letzte Kapitel des Zweiten Weltkrieges in Europa. Er brachte Frieden für die Menschen in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark. Das unendliche Leid der Menschen, durch Kriegshandlungen hervorgerufen, hatte ein Ende für lange Zeit.
Frieden. Wo steht die Welt heute – und damit auch wir?
An guten Absichten und mahnenden Worten mangelt es nicht, aktuell erwähnen möchte ich hier den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, der den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als ‚Wahnsinn’ bezeichnete. In seiner Eröffnungsrede zur Hannover-Messe rief er dazu auf, moderne Technologien für eine nachhaltigere und sichere Welt zu nutzen. Halten wir uns vor Augen: 2,7 Billionen US Dollar für Rüstung und Kriege (Hunger, Analphabetismus, fehlender Zugang zu Elektrizität) bilden neuen Nährboden für künftige Konflikte und Kriege …
Liebe Mitbürger:Innen, für viele bleiben da Silvas Worte vor wenigen Tagen ungehört …
In den Medien wurde im Anschluss diskutiert, dass Bundeskanzler Merz und Lula da Silva beim anschließenden Messebummel getrennte Wege gingen. Wenn das die Sorgen der Welt sind …
Mahnende Stimmen sind selten geworden und haben es immer schwerer, im anschwellenden Kriegsgeschrei gehört zu werden. Von diesem Ort, wo wir heute stehen, ging vor 81 Jahren Frieden aus. Dieser Friedensgedanke, so muss unser Anspruch sein, ist das höchste Gut der Menschlichkeit.
Mittlerweile trägt der Zeitgeist wieder Stahlhelm, das Denken vieler Entscheidungsträger in der Welt ist längst militarisiert. Wir dürfen uns nicht mit einer Sicherheitspolitik abfinden, die nur auf Bomben und Raketen setzt. In der UN-Charta gilt Krieg als ‚Geißel der Menschheit’ Diese Aussage ist in der heutigen Zeit aktueller denn je. Auf Bedrohungen reagieren führende Eliten immer hysterischer und setzten hier eine gefährliche Eskalationsspirale in Gang, deren Ende und Verlauf unberechenbar ist. Eine schleichende Umstellung auf Kriegswirtschaft bleibt niemandem verborgen, statt 2 % des BIP werden bald 5% des BIP für den militärischen Sektor ausgegeben. Diese Entwicklung verstärkt die Spannungen und fördert Unsicherheit.
Diplomatie, einst die Stärke Europas und damit auch Deutschlands, ist bei allen heutigen Konflikten ein Totalausfall. Europas diplomatische Stimme in der Welt ist verstummt, obwohl gerade dieser Kontinent schlimmste Erfahrungen mit den Auswirkungen von Kriegen im 20. Jahrhundert hat. Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, das sicherheitspolitische Dilemma aufzubrechen und das Denken zu entmilitarisieren.
Nur so hat der Friedensgedanke, der von hier in die Welt ging, weiter eine Chance. Dafür einzustehen ist ein großes Ziel.
Danke für Aufmerksamkeit.“